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28. Internationaler Läuferzehnkampf 2011
− Mühlhausen/Thüringen −
Presse- und Erlebnisberichte

Der 2. Tag - „Die geliebten 3000m - Die gehassten 800m“

Ganz spitzfindige Leser könnten noch in Erinnerung haben, dass ich am Pfingstmontag bei den Heidelberger Qualifikationstagen die 3.000m laufen wollte. Grund dafür ist das eindeutige Jahresziel: 3.000m unter 10 Minuten. Bei den Pfalz-Hallenmeisterschaften blieb ich mit 10:06,70 knapp drüber und für den Läuferzehnkampf rechnete ich mir im Januar noch keine großen Chancen aus, die Bestzeit zu knacken. Doch die Beine fühlten sich gut an.

100m - Einfach machen.
Zu Beginn des Tages gab es zunächst den 100m-Sprint. DIE Distanz der Leichtathleten, der Sprinter. Bei den Teilnehmern dennoch eher verhaltene Vorfreude. Warmlaufen, den Tiefstart üben, die Spritzigkeit erwecken. Bei einigen anderen sieht die Vorbereitung professionell aus. Die wissen, was sie machen. Ich mache es einfach irgendwie.

Startschuss. Wie immer verschlafen. Rauskommen, Beine in den Boden, versuchen hinterher zu kommen. Auf den letzten 30, 40 Metern komme ich. Etwas spät, aber es reicht für den 3. Platz in meinem Lauf. Die verkündete Zeit von 13,00s nehme ich mit einem Lächeln.

Nicht mit einem solchen Lächeln würde ich eine 10:00,00 über die 3.000m nehmen. Die auf der Startliste berechnete Prognose lautet etwa 9:54. Ich gehe noch einmal zu Chef-Statistiker Uwe Warmuth und frage nach der Zuverlässigkeit der Prognose. Eigentlich weiß ich selbst: Die sub10 habe ich definitiv drin. Doch auch wenn sich die Beine gut anfühlen - ohne Vorbelastung gehe ich leider nicht in das Rennen.
Es sind für jeden Läufer andere Schallmauern, die einen für sich persönlich genommen in eine andere Ebene heben. Einige Zeit lang hatte ich an der sub40 über 10 Kilometer zu knacken. Für die sub10 über 3.000m, eine einstellige Minutenzahl, hatte ich bisher nur einen Versuch gehabt und wie gesagt im Januar das Ziel knapp verfehlt. Für heute stand nun fest: Ich gehe sie an.

3.000m - Der wichtige sub10-Lauf
3:20 pro Kilometer. Siebeneinhalb Runden. 1:20 pro Runde. Konzentriert muss man am Start stehen und nicht überhastig ins Rennen gehen. Dieses Mal stehe ich mit der langsamsten Prognose im ersten Lauf. Mit dabei auch ein Schüler als Einzelstarter. Ich erkundige mich nach den gewünschten Zeiten, Sebastian Arndt peilt auch "nur" eine sub10 an. Sollte passen.
Beim Startschuss allerdings das übliche Bild: Alle preschen davon. Nur der Tscheche Petr Jindra bleibt hinter mir. Gruppenlaufen adé. Das Tempo aber stimmt. Die ersten 200m in 37s etwas flott, dann Runden in 1:19 und 1:18. Rhythmus finden und das eigene Ding laufen. 3:14 für den ersten Kilometer.

Der zweite Kilometer ist üblich der schwerste und damit auch der langsamste. Vor mir habe ich Sven Lieback im Blick, doch er ist durchaus 30 Meter entfernt. Ich schnaufe und kämpfe. Die Sonne lässt uns nicht in Ruhe und es wird schwer. Nur mühsam halte ich das Tempo. 1:20, 1:21, 1:20. Dennoch alles im Soll - und es sind ja schließlich nur noch zwei Runden. Zwei lächerliche Runden. Wozu schonen? Hau es raus!
Ich ziehe etwas an, laufe zu Sven auf. Auch er muss richtig kämpfen. Meine Phase des Rennens. Der Schüler, der 9:30 angepeilt hat, wird vor unseren Augen immer größer. Beißen. Wir haben ihn. 1:19er-Runde. Schlussglocke. Da brauche ich keine Glocke mehr und auch keine Uhr. Die Rechenspiele sind ausgeblieben, die sub10 ist sicher. Letzte Runde in 1:12. Das Ding sitzt. Unter 9:50 - und damit das Jahresziel pulverisiert. 9:46,94 heißt es offiziell. Jetzt ist mir alles egal.

800m - Die gehasste Distanz fällt schwer
Natürlich war mir nicht alles egal. Die 800m standen noch an, die gehassten. Vielleicht lag es an der erreichten Bestzeit, dass der letzte Biss nun fehlte. Die 2:07,25 aus Bad Bergzabern ist aber auch erst sechs Tage her. Da fehlte von Anfang an der Glaube an die Bestzeit. Dennoch stehe ich natürlich am Start. 2:14 die Prognose, 2:10 wäre nett. Wirklich schwer sind die Beine noch immer nicht, aber etwas ausgelaugt fühlt man sich doch.
Ronald Stettner sprintet auf der ersten Runde in einem irrsinnigen Tempo davon. Ich bleibe hinten, versuche ruhig zu laufen. Unmöglich. Tödliche 800m. Wir müssen alle kämpfen. Der Schlussspurt fällt schwer, fast langsam. 2:11,75. Keine Bestzeit. Keine 2:10 - und dennoch zufriedenstellend. Nach diesen zwei Tagen muss man auch so eine Zeit erst einmal laufen.

Fazit
Zum Ende des Tages wieder der Blick auf die Gesamtwertung mit einem erfreulichen Ergebnis: Die guten 3.000m haben mich auf den 9. Platz geschoben. Und die Beine? Es ist zu spüren. Morgen warten mit 200m, 5.000m und 1.000m harte Brocken. Doch unmöglich ist hier nichts. Die schmerzhaften Mittelstrecken sind größtenteils vorbei.

Hannes Christiansen (www.laufhannes.de), 12.06.2011

    Letzte Änderung: 14.11.2017   [Seitenanfang]   [Startseite]   [Impressum]   [2018]   [2017]     Alle Angaben ohne Gewähr.      © 2002-2017 Uwe Warmuth >>> www.laeuferzehnkampf.eu
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