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30. Internationaler Läuferzehnkampf 2013
− Trutnov −
Presse- und Erlebnisberichte

Läuferzehnkampf in Trutnov − oder wie Christian erfuhr, wie es ist, in den Wangen Muskelkater zu haben

Am 08.05.2013 machte sich ein Teil der Jugendgruppe des PLCs und ihren Trainern plus Begleitung auf nach Tschechien, um Christian stolz zu machen. Dort wurde der Läuferzehnkampf in einem Bergstädtchen namens Trutnov ausgetragen.

Wir hatten Läufer und Läuferinnen, die sich vorgenommen hatten, den kompletten Zehnkampf durch zu machen, wie auch Einzelstarter. Die Mission, die sie sich vorgenommen haben, nämlich einfach zu laufen und richtig zu ballern, selbst wenn sie danach stehen wie ein Eimer, haben sie mehr als erfüllt.

Unser Hotel war perfekt gelegen. Aus den Zimmern konnten wir sogar einen Teil des Stadions, welches für die 4 Tage unser Wohnzimmer sein sollte, sehen. Die ersten Läufer kamen im strahlenden Sonnenschein an, die letzten nach dem Abendbrot. Aber die Tschechische Sonne bescherte uns auch am Tag darauf noch Sonnenbrände.

Tag 1: Wie Daniel sich in eine Rakete verwandelte und Sägespäne zum Laufmotto wurden

Beim Einlaufen früh am Morgen war die Wärme fast nicht auszuhalten. Aber jammern hilft nicht und von den Trainern bekommt man eh kein Mitleid und so wurde die erste Disziplin angegangen. Die 60 Meter waren nichts Besonderes aber was will man von Mittel- und Langstrecklern auch erwarten. Unsereins ist gerade erst ins Rollen gekommen, da ist die Ziellinie auch schon überlaufen ohne das auch nur ein Muskel richtig warm geworden ist. Aber keiner hat Christian enttäuscht und schon waren die 1.500 Meter an der Reihe.

Als erster aus unserem Verein ging Dennis diese Distanz an. Dem geschulten Blick des Trainers entging nicht, dass das noch nicht alles sein kann vom Tempo her und war nicht übermäßig begeistert, aber unzufrieden auch nicht. Corinna lief in ihrem Lauf wieder los wie vom Teufel gejagt und führt das Feld, bestehend aus Männern und Tatjana, auch zeitweise an. Aber das konnten die Kerle natürlich nicht auf sich sitzen lassen und zogen auch wieder an ihr vorbei. Tatjana lief, wie schon so oft gesehen, ein klasse kontinuierliches Rennen. Im nächsten Lauf konkurrierten Sven und Julian. Julian offenbarte wieder, dass er doch beißen kann, schlug Sven und lief als dritter über die Ziellinie. Im letzten Lauf, die Vereinsmeisterschaft des PLCs, traten Lea, Ute, Nele, Caro (Einzelstart) und Daniel (Einzelstart) an die Startlinie. Daniel lief Bestzeit, schoss an allen vorbei und hatte auch noch die Kraft Caro im Überholen anzufeuern. Lea und Ute lieferten sich einen Zweikampf, den Lea gewann, aber auch Ute schaffte es ins Ziel. Nele und Caro gingen in einer schönen Zeit über die Ziellinie.

Nach der Mittagspause, die man nur im Schatten verbringen konnte, stand die letzte Disziplin des Tages an. 400 Meter, die Kotzstrecke, wie Christian sie nennt. Aber auch diese Distanz meisterten die Athleten mit Bravour. Dennis lief in einem schnellen konstanten Rennen als vierter über die Ziellinie. Julian biss sich wieder super durch und Tatjana und Corinna trieben eine Sprinterin vor sich her über die Ziellinie, wo sie dann zusammenbrach. Christan wusste gar nicht mehr wohin mit seiner Freude und Überraschung. Der neue Auftrag an die beiden lautete: „Die zersägt ihr mir über die Mittelstrecken!“ Auch Tom( Einzelstart) lief ein klasse Rennen und Nele melden wir jetzt nur noch für Sprints. Wahnsinn was sie geleistet hat an diesem Wochenende .Den Abend verbrachten wir in einer kleinen Gaststätte, die etwas überfordert waren mit unserer großen Gruppe, aber es hat gut geschmeckt.

Tag 2. Wie Julian zum nächsten Bolt wurde und Dennis das beste Zieleinlauf-Foto des LZKs bekam

Am nächsten Tag wachten wir alle etwas zerknautscht auf. Aber nach genügend Frühstück glätteten sich die Gesichter und alle waren bereit den Tag in Angriff zu nehmen. Auf dem Plan standen 100 Meter, 3.000 Meter und 800 Meter. Christian sollte allen Grund haben glücklich zu sein.

Allgemein bekannt ist, dass man auf 100 Metern oftmals aus dem Startblock startet. Und normalerweise drückt man sich auch aus dem Startblock raus, wenn man den Startschuss hört um ein gutes Rennen zu machen. Julian bewies uns, dass „Normal“ eine Interpretationsfrage ist. Der Schuss zum Start kam und er hing immer noch im Starblock. Ein Wunder , dass er ihn nicht noch hinter sich her gezogen hat. Wir, die am Rand standen und brüllten, hatten das Gefühl, er kommt niemals mehr ran. Aber wieder bewies er uns, dass er die Technik des Sprints in den Genen hat und machte das was sonst nur sehr erfahrene Athleten können. Er lief los, richtete sich langsam aber sicher auf und lief von hinten nach ganz vorne an die Spitze. Christian wusste weder aus noch ein. Er lachte sich nur kaputt und Julian bekam den Spitznamen „der Bolt des PLCs“ verpasst.

Die 3.000 Meter waren sehr spannend und auch hier bekam Christian nur gute Sachen zusehen. Corinna lief eine 11:40 als einzige Frau in ihrem Lauf und Isa lief vorne mit und stellte ihre persönliche Bestzeit auf. Auch ich versuchte mich über diese Distanz, jedoch musste ich aus gesundheitlichen Gründen abbrechen.

Die 800 Meter waren ein Fest fürs PLC-Herz. Dennis war von Anfang an in seinem Lauf vorne mit dabei und ließ nicht locker. Christian war begeistert. Dennis überholte und führte das Feld ins Ziel. Das Foto, was Kai an der Ziellinie von ihm schoss, ist unbezahlbar. Danach sah man Dennis endlich wieder richtig lächeln. Wir anderen wurden von der Euphorie angesteckt. Vielleicht war es auch dieser guten Stimmung zu verdanken, dass Corinna, Julian, Tatjana und Nele ein unglaublich gutes Rennen hinlegten. Lea, back to roots in unserer Trainingsgruppe nach einiger Zeit, dachte sich „Jetzt trau ich mich auch mal wieder!“ und setzte sich nach einer dreiviertel Runde an die Spitze und flog regelrecht über die Ziellinie. „Es fühlte sich an wie früher!“ war ihr einziger Kommentar. So verging auch der zweite, etwas kühlere Tag. Und nachdem wir uns den Magen mit Gulasch und Knödeln vollgeschlagen hatten, fielen wir alle in die Betten.

Tag 3. Wie Nele alle kaputt lief und Corinna endlich zufrieden gestellt wurde

Am Samstag war der Himmel eine einzige graue Suppe. Aber bei uns im Stadion ersetzte Christians Lächeln die Sonne. Über 200 Meter räumte Nele ab und auch der Rest war gut dabei. Sven wurde zweiter in seinem Lauf.

Über 5.000 Meter machte es Dennis sehr spannend. Er und ein anderer Läufer wechselten sich dauernd ab mit der Führung und gefühlsmäßig sah es aus als ob Dennis seinem Verbündeten gleich in die Hacken tritt. Uns, die am Rand standen und ihn nicht aus den Augen ließen, brachte er damit bald zur Weißglut, denn das war eindeutig nicht sein Tempo. Aber endlich, auf den letzten 400 Metern zog Dennis vorbei und erlöste uns. Sven und Lea bestritten zusammen diese Strecke und kollegial wie sie sind gingen sie durch dick und dünn und liefen, sich an den Händen haltend ins Ziel ein.

Am Nachmittag regnete es aus Eimern. Sven hatte uns schon gewarnt, dass der Läuferzehnkampf entweder in totaler Hitze oder im Platzregen stattfindet. Wir hatten beides dieses Jahr. Corinna lief wieder mal als einzige Frau in ihrem Lauf ein perfektes Rennen und auf die Frage, ob sie zufrieden sei antwortete die ehrgeizige Corinna doch tatsächlich mit einem JA! Das kann sie auch sein bei einer Zeit von 20:42.

Isabell wurde von Christian noch für die 1.000 Meter nachgemeldet und gewann die locker flockig mit viel Abstand und viel Freude im Gesicht. Christians Kommentar dazu: „Ich hab doch nur verrückte Weiber! Wenn doch nur eine davon normal wäre …!“ Wir nehmen das natürlich als Kompliment! Am Abend fand die Athletenparty im Hotel statt und wir aßen ordentlich, tanzten und plauderten und alle hatten eine richtig gute Stimmung. Christian vorne weg.

Tag 4. Wie sich Tatjana und Sven zu Planeten verwandelten und alle die 10 Kilometer platt machten

Jedoch war das noch nicht das Ende von unserem Ausflug. Eine, die zehnte, Disziplin stand noch aus. Alle Knochen taten weh, alle Muskeln waren verhärtet, Tränen geflossen aber die 10 Kilometer wollten noch gelaufen werden, ob die Beine nun noch Kraft hatten oder nicht. Da hilft dann nur noch eine ordentliche Ansprache vom Trainer, Cola und Motivation durch den Gedanken, dass es jetzt gleich vorbei ist. Nele war als erste dran und lief sogar mit einem entspannten Lächeln ihre 25 Runden im Kreis und blieb an einem Mädchen kleben mit dem sie zusammen diese Runden meisterte. Nele versuchte sie noch auf den letzten Meter zu überholen, was ihr zwar nicht gelang aber was macht das schon. Hinter der Ziellinie fielen sich die beiden in die Arme. Es ist ein Rätsel, wo Nele diese Kraft her bekommen hat, um den gesamten Läuferzehnkampf zu machen. Ein Hoch auch Nele!

Sven, Tatjana und Lea machten sich zusammen auf den Weg und sie liefen wie Planeten auf ihren Umlaufbahnen ihre Runden ab. Im Gleichschritt marschierten sie, so dass es fast wirkte als wären sie Soldaten in Blau. Lea musste leider nach dem 6. Kilometer abreißen lassen, doch sie lief weiter ihr eigenes Tempo. Sven und Tatjana liefen zusammen Hände haltend ins Ziel ein. Seinen Co-Trainer über die letzten Meter schlagen zu wollen, versuchte niemand. Und da sagen einige, Jugendliche haben keinen Respekt gegenüber den Erwachsenen.

Corinna hatte den Auftrag, sich an ihre Konkurrentin zuhängen und dann auf den letzten Metern zu überholen. Jedoch hatte die so wenig Tempo drauf, dass Corinna wirkte, als ob sie bald einschläft und zog locker und entspannt an ihr vorbei ins Ziel.

Auch Dennis ging dann noch die letzten Runden dieser Tage an. Allerdings sah man auf den 10 Kilometern die letzten neun Disziplinen in seinem Lauf. Er ließ die anderen schnell an sich vorbei ziehen und lief langsam sein Tempo. Er hatte sich den Oberschenkel während dieses Laufs verletzt lief aber langsam weiter und erreichte auch das Ziel. Mit Schmerzen zu laufen ist schwer. Aber man kann ja nichts dafür und eigentlich hat er Glück gehabt, das es erst in der letzten Disziplin passiert ist. Dennis kann komplett mit sich zufrieden sein.

Letztendlich sind für den PLC eine Gold-Medaille in der Altersklasse weiblich U20 (Corinna) und ein dritter Platz weibliche U20 (Tatjana) heraus gelaufen worden. Lea und Nele wurden jeweils dritte in ihrer Altersklasse. Dennis machte in seiner Altersklasse den 6. Platz, er hatte aber auch am meisten Konkurrenz. Sven wurde Zweiter und bekam von uns ein riesen Applaus dafür! Auch Ute machte den zweiten Platz in ihrer Altersgruppe und wir alle sind tierisch stolz auf sie. In der Gesamtwertung wurde Corinna zweite.

Vielen Dank an Sven, dass er uns diese Reise ermöglicht hat. Und auch Heidi (Toms Mutter) fürs Auskundschaften, wo es das beste Abendbrot gibt, Jens-Uwe (Julians Vater) fürs Fahren und Kai für unsere Betreuung und die Fotos bekommen ein großes Dankeschön. Dieses Wochenende war für unsere ganze Truppe sehr erfolgreich. Jeder einzelne, ob Einzelstarter oder Läuferzehnkämpfer kann sehr stolz auf sich sein.
Auch für mich, die ja leider nur stiller Beobachter sein konnte, war es aufregend dabei zu sein und mit zu fiebern. Naja, weniger still, ich habe jetzt kaum noch Stimme vom ganzen Brüllen. Ich habe wahrscheinlich mehr über Taktik beim Laufen gelernt, als ich je irgendwo hätte lernen können. Die ganzen Emotionen, die wir während der Tage gesehen haben, von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt, sie alle haben ihre Gründe und Rechte gehabt.

Wir waren wahrscheinlich die größte, lauteste und chaotischste Truppe auf diesem Wettkampf. Wir haben uns auch alle Mühe gegeben aufzufallen und den PLC als Gruppe zu präsentieren. Diese Mission, die Christian uns am ersten Tag gegeben hat, haben wir auch erfüllt. Christian haben wir gezeigt, dass wir was können, dass wir verrückt sind und dass er nicht alles falsch gemacht hat im Training. Und wenn er am letzten Abend sagt: „Heute könnte ich die Welt umarmen!“, können wir auch nicht viel falsch gemacht haben.

Flora in Zusammenarbeit mit Lea, Jugendgruppe des Potsdamer Laufclubs, 15.05.2013

    Letzte Änderung: 14.11.2017   [Seitenanfang]   [Startseite]   [Impressum]   [2018]   [2017]     Alle Angaben ohne Gewähr.      © 2002-2017 Uwe Warmuth >>> www.laeuferzehnkampf.eu
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